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Hainsternmieren-Erlen-Auwälder

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Hainsternmieren-Erlen-Auwälder

An Fließgewässufern im Oberlauf und in Quellbereichen, wo der Boden sehr nass ist oder in durchsickerten Wäldern und an Hangfüßen treten Auenwälder mit Erle auf. Hainsternmieren-Erlen-Auwälder am Oberlauf der Bäche und Flüsse sind meist nicht so großflächig ausgeprägt, sondern laufen eher in Streifen entlang der Wasserlinie.

Erlen prägen das Bild dieses Lebensraumes, wobei in tieferen Lagen die Schwarz-Erle (Alnus glutinosa, Foto) und in höheren Lagen auch Grauerlen (Alnus incana) als Erlenarten wachsen können. Auch Weiden können je nach Standort als weitere Baumarten hinzukommen. Hainsternmieren-Erlen-Auwälder sind Bestandteil oder gehen über in den Lebensraum der sogenannten Weichholzaue - also dem Bereich, wo Holzarten mit vorwiegend weichem Holz wachsen. Als Sonderfall wachsen reine Erlenwälder auf Durchströmungsmooren im Überflutungsbereich der Flüsse.

Im europaweiten Schutzgebietssystem Natura 2000 werden die Hainsternmieren-Erlen-Auwälder am Oberlauf der Flüsse mit den Weiden-Auwäldern am Unterlauf der Flüsse zu einem Lebensraumtyp zusammengefasst, den "Auenwäldern mit Erlen, Eschen und Weiden". Beide Lebensräume sind jedoch im Gelände oft gut anhand ihrer Struktur und Pflanzen-Artenzusammensetzung abgrenzbar, was eine Unterscheidung sinnvoll erscheinen lässt. Übergänge beider Typen treten selbstverständlich auf.

Standortmerkmal in Hainsternmieren-Erlen-Auwäldern ist die zeitweise Überflutung durch das Gewässer und allgemein der feuchte Untergrund. Neben den genannten dominanten Baumarten können je nach Standort verschiedene weitere Baumarten und eine ausgeprägte Krautschicht hinzukommen, welche teilweise als Unterscheidungsmerkmal herangezogen wird um Untertypen zu definieren. Im Gegensatz zu den weiter flussabwärts folgenden Weiden-Auwäldern ist der Untergrund meist noch mit gröberen Substraten versehen, da die Ablagerungen von Feinsediment bei zeitweiligen Überflutungen reduziert ist.

Die typische Strukturvielfalt und hohe Anzahl ökologischer Nischen (Kleinlebensräume) der Auenwälder generell bieten einer Vielzahl z.T. seltener Tierarten Lebensraum. Typisch für diese Weichholzauen sind schnellwachsende Baum- und Straucharten, die Nährstoffe schnell verwerten, viele Pflanzenarten die gute Nährstoffversorgung mögen und auch Schling- und Rankepflanzen die zum Licht streben.

Brandenburg nennt allgemein für Weichholzauwälder folgende typischen Pflanzenarten: Alnus glutinosa, Fraxinus excelsior, Ulmus minor, U. laevis, Betula pubescens, Padus avium, Humulus lupulus, Rubus caesius, Urtica dioica, Deschampsia cespitosa, Carex remota, C. acutiformis, Juncus effusus, Caltha palustris, Oxalis acetosella, Galium aparine, Chrysosplenium alternifolium, Ranunculus ficaria, Geum rivale, Cardamine amara, Anemone nemorosa, A. ranunculoides, Circaea lutetiana u.a. Meistens keine ausgesprochen selten Arten, aber eben vielfältig.

Typische Vögel sind Eisvogel, Kleinspecht, Mönchsgrasmücke, Weiden-, Beutelmeise. Eine typische Libelle ist die Blauflügel-Prachtlibelle.

Auch Biber, welche sich vielerorts wieder angesiedelt haben, sind typische Bewohner der Hainsternmieren-Erlen-Auwälder.

Bildergalerie von typischen Pflanzenarten in diesem Lebensraum

Kriechender GünselScharbockskrautSchwarz-ErleWald-Ziest

Verbreitung

Verbreitung

In Deutschland war der Lebensraumtyp ursprünglich an allen Fließgewässern z. T. auch mit größeren Beständen vorhanden. An Oberläufen und im Bergland ist er heute oft nur als schmaler Waldstreifen oder kleinflächig in Quellgebieten ausgebildet. An den großen Flüssen wie Rhein, Donau, Elbe und Oder ist der Weidenauwald nur stellenweise noch großflächig vorhanden. Oft sind Baumreihen der typischen Arten die letzten Reste der Auwälder.

© Verbreitungskarte. Quelle: BfN/BMUB 2013: Nationaler Bericht Deutschlands nach Art. 17 FFH-Richtlinie, 2013; basierend auf Daten der Länder und des Bundes. Datengrundlage: Verbreitungsdaten der Bundesländer und des BfN. URL: www.bfn.de/0316_bericht2013.html (zuletzt aufgerufen am: 23.02.2016)


Gefährdung

Hauptgefährdungsursachen sind die Veränderung in der Überflutungsdynamik (zeitlich und Wassermengen, z. B. Staustufenbau), der Gewässerausbau (Uferverbau, Begradigungen), die Gewässerunterhaltung, der Freizeitbetrieb, der Sand- und Kiesabbau, die Aufforstung mit Fremdbaumarten (v. a. Hybridpappeln) sowie Einwandern neuer Arten (Neophyten), die dort ursprünglich nicht heimisch waren.

In intakten Auen mit natürlicher Überflutungsdynamik ist keine Pflege zum Erhalt erforderlich (potenziell natürliche Vegetation). Auenwälder stellen einen natürlichen Hochwasser- und Uferschutz dar. Auenwälder mit gestörter Überflutungsdynamik verändern sich langsam zu anderen Wäldern. Hier ist eine Wiederherstellung der Gewässerdynamik erforderlich. Schutzmaßnahmen können sein: Aufrechterhaltung des seitherigen Wasserregimes, Reduktion des Anteils an lebensraumtypfremden Gehölzen, Förderung lebensraumtypischer Gehölze, Zulassen von Fließgewässer- und Hochwasserdynamik (z.B. durch Rückbau von Dammbauten, Bach- und Flussbegradigungen), Förderung von liegendem und stehendem Totholz.

Tagfalter in diesem Lebensraum

Libellen in diesem Lebensraum

Amphibien & Reptilien in diesem Lebensraum

Säugetiere in diesem Lebensraum

Heuschrecken in diesem Lebensraum

Wanzen in diesem Lebensraum

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Kenndaten

Name Auen-Wälder mit Alnus glutinosa und Fraxinus excelsior (Alno-Padion, Alnion incanae, Salicion albae)
Natura 2000 91E0*
Häufigkeit sehr häufig

Online: http://www.deutschlands-natur.de/lebensraeume/waelder/auen-waelder-mit-alnus-glutinosa-und-fraxinus-excelsior-alno-padion-alnion-incanae-salicion-albae/
Datum: 24.10.2017
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