Kein Treffer
Alpine Windheide (Gamsheide)

© Alle Rechte vorbehalten. Interesse an dem Foto?

Alpine Windheide (Gamsheide)

Im Gegensatz zu den Heiden der Küstenzonen und sonstiger tiefen Lagen (z.B. "Lüneburger Heide"), findet man diese Heiden in der subalpinen und alpinen Höhenstufe der deutschen Alpen. Oberhalb der Baumgrenze und an exponierten Stellen sind die Wuchsbedingungen ausgesprochen hart: flachgründige Böden, starke Sonneneinstrahlung, mechanische Belastung und Austrocknung durch den Wind, außerdem extremer Frost sind nur ein paar der zu nennende Parameter.

Ideal angepasst an diese Bedingungen ist die namensgebende Gamsheide (Loiseleuria procumbens, Foto: der flache "Bodendecker" im Vordergrund). Die Gamsheide findet man bevorzugt auf silikatische Böden, sie kann aber auch auf kalkhaltigen Böden vorkommen, wenn der flachgründige Untergrund mit geringer Humusauflage durch Niederschläge "versauert". Typische "Kalkarten" fehlen in diesem Biotop.

Vereinzelt können z.B. die in den Bay. Alpen sehr zerstreut vorkommende Krähenbeere (Empetrum hermaphroditum) oder Zwergwachholder (Juniperus communis var. saxatilis) in diesen Heiden auftreten, welche sehr niedrigwüchsig sind und kaum Kniehöhe erreichen. Noch typischer sind verschiedene Flechtenarten, z.B. aus der Gattung Flavocetraria.

Typische Vogelarten für diesen Lebenraum sind Alpenschneehuhn, Birkhuhn und Alpenbraunelle. Auch Murmeltier und Schneemaus kann man hier beobachten.

Bildergalerie von typischen Pflanzenarten in diesem Lebensraum

Rostblättrige AlpenroseSchwarze KrähenbeereGrüne Hohlzunge

Verbreitung

Die alpinen und borealen Heiden kommen in Deutschland nur in der subalpinen und alpinen Region in Bayern vor.

Natura 2000 Lebensraumtyp

Verbreitung

Dieser Biotoptyp ist ein europaweit besonders geschützter Lebensraum! Natura 2000 - Code: 4060

"Alpine and boreale Heiden" - zu denen die Alpine Windheiden gehören - sind ein eigenständiger Lebensraumtyp, der auf Anhang I der FFH-Richtlinie gelistet ist.

Der Natura 2000 - Lebensraumtyp umfasst jedoch noch andere Biotoptypen, z.B. auch Alpenrosengebüsche auf saurem Gestein.

© Verbreitungskarte. Quelle: BfN/BMUB 2019: Nationaler Bericht Deutschlands nach Art. 17 FFH-Richtlinie; basierend auf Daten der Länder und des Bundes. Datengrundlage: Verbreitungsdaten der Bundesländer und des BfN.


Gefährdung

Durch intensive Freizeitnutzung, besonders durch Wintersport (Skianlagen, Skibetrieb), kann dieser Lebensraum beeinträchtigt werden. Darüber hinaus stellen Aufforstung und intensiver Beweidung Hauptgefährdungsfaktoren für den Lebensraum dar.

Besonderheiten

Ursprüngliche, durch den Menschen unbeeinflusste Heiden der Hochlagen wie z. B. die Windheiden bedürfen keiner Pflege. Bestände auf Sekundärstandorten, welche erst durch den Menschen entstanden sind, können durch eine sehr extensive Beweidung gepflegt werden. Gegebenenfalls sollte Gehölzaufwuchs entfernt werden. In den Hochlagen ist ggf. Trittschutz erforderlich.

Tagfalter in diesem Lebensraum

Typische Arten

Alpengelbling
(Colias phicomone)

Ein auffälliger, gelblicher Tagfalter auf Almwiesen der Alpen

Gletscherfalter
(Oeneis glacialis)

Ein Tagfalter über Schotterfluren im eisigen Hochgebirge

Hochalpenapollo
(Parnassius phoebus)

Ein sehr seltener Endemit der Alpen, der nur als Gast zu uns kommt

Schweizer Schillernder Mohrenfalter
(Erebia tyndarus)

Ein bläulich schillernder Mohrenfalter auf Almwiesen der Alpen



Weitere Arten

Ähnlicher Perlmutterfalter
(Boloria napaea)

Der Perlmutterfalter aus hohen Lagen der Alpen

Alpen-Weißling
(Pontia callidice)

Ein Weißling der Alpen

Alpenmatten-Perlmuttfalter
(Boloria pales)

Ein Tagfalter auf Almwiesen und Almweiden der Alpen

Argus-Bläuling
(Plebeius argus)

Ein kleiner Bläuling mit Dorn am Schienbein

Bergweißling
(Pieris bryoniae)

Der Weißling-Verwandte in den Alpen

Distelfalter
(Vanessa cardui)

Der Wanderfalter unter Alpenüberquerer unter unseren Tagfaltern

Dunkler Alpenbläuling
(Plebeius glandon)

Seltener Bläuling in hohen Lagen der Bayerischen Alpen

Graubrauner Mohrenfalter
(Erebia pandrose)

Ein hochalpiner Mohrenfalter mit auffälligem Flugverhalten

Großer Sonnenröschen-Bläuling
(Aricia artaxerxes)

Ein dunkler Bläuling mit sehr ähnlicher Schwesterart

Hochmoor-Bläuling
(Plebeius optilete)

Ein sehr seltener Moorbläuling

Kleiner Fuchs
(Aglais urticae)

4Ein Fuchs unter unteren heimischen Tagfaltern

Mandeläugiger Mohrenfalter
(Erebia alberganus)

Ein Mohrenfalter mit mandelförmigen Augen

Ostalpiner Scheckenfalter
(Melitaea asteria)

Ein sehr seltener Gast aus den Ostalpen

Quellen-Mohrenfalter
(Erebia pronoe)

Alpiner Falter auf Bergwiesen und felsigen Hängen

Schwarzer Apollo
(Parnassius mnemosyne)

Seltener weißer Falter mit Bestandsrückgang

Unpunktierter Mohrenfalter
(Erebia pharte)

Ein seltener, unscheinbarer Mohrenfalter

Veilchen-Scheckenfalter
(Euphydryas cynthia)

Ein unverwechselbarer Scheckenfalter in hohen Lagen der Alpen


Fliegen in diesem Lebensraum

Amphibien & Reptilien in diesem Lebensraum

Orchideen in diesem Lebensraum

Säugetiere in diesem Lebensraum

Heuschrecken in diesem Lebensraum

Wanzen in diesem Lebensraum

Referenzlisten:

Natura2000: Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen

EUNIS 2021/22: European Nature Information System (EUNIS; deutsch Europäisches Naturinformationssystem). EUNIS marine habitat classification (Updated version March 2022), EUNIS terrestrial classification (Updated 2021)

EuroVegChecklist: Bergmeier E. (2020) & Mucina et al. (2016)

Bergmeier E. (2020): Die Vegetation Deutschlands – eine vergleichende Übersicht der Klassen, Ordnungen und Verbände auf Grundlage der EuroVegChecklist. Tuexenia 40: 19–32.

Mucina L., H. Bültmann, K. Dierßen, J.-P. Theurillat, T. Raus, A. C arni, K. Š umberová, W. Willner, J. Dengler, R. Gavilán García, M. Chytrý, M. Hájek, R. Di Pietro, D. Iakushenko, J. Pallas, F.J.A. Daniëls, E. Bergmeier, A. Santos Guerra, N. Ermakov, M. Valachovic , J.H.J. Schaminée, T. Lysenko, Y.P. Didukh, S. Pignatti, J.S. Rodwell, J. Capelo, H.E. Weber, A. Solomeshch, P. Dimopoulos, C. Aguiar, S.M. Hennekens & L. Tichý (2016): Vegetation of Europe: hierarchical floristic classification system of vascular plant, bryophyte, lichen, and algal communities. Applied Vegetation Science, Vol. 19, Supplement 1: 1-264.

Ellenberg, H. & Leuschner, C. (2010): Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen, 6. Aufl., Stuttgart: 1357 S.

Delarze R., Gonseth Y., Eggenberg S., Vust M. (2015): Lebensräume der Schweiz. Ökologie - Gefährdung - Kennarten. 3. Auflage 2015. 456 Seiten.

Finck, P., Heinze, S., Raths, U., Riecken, U., Ssymank, A. (2017): Rote Liste der gefährdeten Biotoptypen Deutschlands – dritte fortgeschriebene Fassung 2017. Naturschutz und Biologische Vielfalt 156, 460 S.

()

Schnellzugriff

Referenzlisten

Bezüge zu anderen Listen:
Ellenberg & Leuschner (2010) 4.9.1.1
Finck et al. (2017) 68.01
EUNIS 2021/22 S22, S23, U51
EuroVeg-Checklist 11AC01A
Delarze et al. (2015) 5.4.6.
Natura 2000 4060
Häufigkeit selten

Höhenverbreitung

Info Bundesländer


Online: https://www.deutschlands-natur.de/lebensraeume/heide-und-buschvegetation/alpine-and-boreale-heiden/
Datum: 19.05.2024
© 2024 Deutschlands Natur. Alle Rechte vorbehalten.