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Salzwiesen der Nord- und Ostsee

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Salzwiesen der Nord- und Ostsee

An der Ost- und Nordsee, oberhalb des unmittelbaren Überflutungsgeschehens von Ebbe und Flut können sogenannte Salzwiesen mit weitgehend geschlossener Pflanzendecke wachsen.

Salzwiesen zeigen oft eine ausgesprochene Zonierung von tief gelegenen sehr salztoleranten Pflanzengesellschaften am Meeresrand bis zu höhergelegenen weniger salzgeprägten Bereichen (z. B. Strandseggen-Salzbinsen-Rasen). Charakteristisch sind auch Salzwasserläufe (Priele) zwischen den Flächen und vor allem an der Ostsee Flachbereiche mit zurückbleibendem Brackwasser (Röten), die auch phasenweise austrocknen können.

Salzwiesen können natürlicherweise oder aber durch Beweidung entstanden sein. Wichtigstes Kennzeichen der Salzwiesen sind die natürliche Überflutungsdynamik durch das Meerwasser und die daraus resultierende Vielzahl von salztoleranten Pflanzenarten. An der Ostseeküste liegen die Salzwiesen oberhalb der Mittelwasserlinie (also dem im Jahresverlauf durchschnittlichen Wasserstand) der Ostsee. Der größte Anteil tritt - anders als an der Nordsee - auf "Torfsubstraten" auf und ist durch Beweidung sekundär aus torfbildenden Brackwasserröhrichten entstanden; also durch menschlcihen Einfluss entstanden. Das Land Mecklenburg-Vorpommern schreibt, dass natürliche (primäre) Salzwiesen im Bereich der Anlandungsküsten in Strandwallsystemen mit Reffen und Riegen oder infolge von Aufhöhungen der Wattflächen auf Sand, Schlick und Schlamm vorkommen. Sie sind auf den westlichen Landesteil beschränkt.

Kennzeichnend für den Standort ist - wie der Name schon sagt - der wechselnde Salzgehalt. Bei den Standorten des Salzgrünlandes ist zu unterscheiden zwischen primären und sekundären Vorkommen. Primäre Salzwiesen entstehen in Anlandungsbereichen auf Sand, Schlamm oder Schlickböden von Strandwallsystemen oder ehemaligen Wattflächen, die infolge von Aufhöhungen über dem regelmäßigen Überflutungsbereich liegen. Diese Flächen werden bei Hochfluten noch überflutet, daher wechelst der Salzgehalt auf diesen Standorte. Sekundäres Salzgrünland entsteht/entsand zum größten Teil infolge von Beweidung auf Küstenüberflutungsmooren.

In Mecklenburg-Vorpommern wird die Pflanzengesellschaft wie folgt beschrieben:
"... Charakteristisch sind kurze, dichte Rasen der Gewöhnlichen Salz-Binse, dominiert von der Salz-Binse (Juncus gerardii), dem Rot-Schwingel (Festuca rubra ssp. litoralis) und dem Kriech-Straußgras (Agrostis stolonifera). Wichtige Arten des meist eutrophen Salzgrünlandes sind Strand-Milchkraut (Glaux maritima), Strand-Dreizack (Triglochin maritimum), Erdbeer-Klee (Trifolium fragiferum) oder Strand-Wegerich (Plantago maritima). In höher gelegenen, selten überfluteten Bereichen sind Wiesengersten- Salzbinsen-Rasen mit Arten wie Gänse-Fingerkraut (Potentilla anserina), Scharfem Hahnenfuß (Ranunculus acris) oder Roggen-Gerste (Hordeum secalinum) typisch. Im tiefer gelegenen Bereich mit häufigeren Überflutungen und zeitweiligem Flachwasserregime tritt das Meerbinsen-Ried mit Arten wie z. B. Meer-Binse (Juncus maritimus), Einspelzige Sumpfsimse (Eleocharis uniglumis), Salz-Bunge (Samolus valerandi) oder Wiesen-Pferdesaat (Oenanthe lachenalii) auf. Den nähstoffärmeren Flügel des Salzgrünlandes kennzeichnen Quellried-Salzbinsen-Rasen mit dem Rotbraunem Quellried (Blysmus rufus), die selten an sickernassen und quelligen Übergangsbereichen und in Geländedepressionen vorkommen, und Strandseggen-Salzbinsen- Rasen mit Strand-Segge (Carex extensa). An den Rändern von Prielen, Röten oder im Uferbereich fehlen wichtige Bestandsbildner der Salzbinsen-Rasen wie z. B. Rot-Schwingel (Festuca rubra ssp. litoralis). Hier treten in der Höhe der Mittelwasserlinie Andel-Rasen mit Andel (Puccinellia maritima), Strandflieder-Salzbinsen-Rasen mit Strandflieder (Limonium vulgare) oder Schuppenmieren-Salzschwaden-Pionierfluren (mit Puccinellia distans) auf. Auf Salzgrünlandbrachen oder schwach beweideten Stellen breiten sich Strandbeifuß- Hochstaudenfluren mit dem Strand-Beifuß (Artemisia maritima) oder Arten der Brackwasserröhrichte wie Schilf (Phragmites australis), Strand-Aster (Aster tripolium) und Strandsimse (Bolboschoenus maritimus) aus ..." (vgl. www.lung.mv-regierung.de/dateien/ffh_sb_lrt_1330.pdf).

Salzwiesen sind der Lebensraum der Vögel an der Küste. Sei es als Rückzugsgebiet für Wattvögel in Zeiten der Flut, also wenn das Wattenmeer überspült ist, oder als Brutlebensraum für viele Arten im Sommer.

Verbreitung

An der deutschen Nordseeküste ist Salzgrünland auf Feinsedimenten weit verbreitet, mit Schwerpunkten an den ostfriesischen und nordfriesischen Inseln, an den Halligen und im Bereich der Flussmündungen (Ästuarsalzwiesen). An der Ostseeküste tritt der Lebensraumtyp kleinflächiger auf: Küstenüberflutungsmoore haben ihren Verbreitungsschwerpunkt an der südlichen Ostseeküste und sind entlang der gesamten Küste des Landes Mecklenburg-Vorpommern zu finden. Natürliche (primäre) Salzwiesen auf Sand, Schlick und Schlammböden sind auf den westlichen Landesteil (z. B. Wismarbucht, Darß-Zingster Boddenkette) beschränkt.

Natura 2000 Lebensraumtyp

Verbreitung

Dieser Biotoptyp ist ein europaweit besonders geschützter Lebensraum! Natura 2000 - Code: 1330

"Salzwiesen der Nord- und Ostsee" sind ein eigenständiger Natura 2000-Lebensraumtyp.

© Verbreitungskarte. Quelle: BfN/BMUB 2019: Nationaler Bericht Deutschlands nach Art. 17 FFH-Richtlinie; basierend auf Daten der Länder und des Bundes. Datengrundlage: Verbreitungsdaten der Bundesländer und des BfN.


Gefährdung

Die größte Gefährdung für Salzgrünland geht von Nährstoff- und Schadstoffeinträgen aus. Weitere Gefährdungsfaktoren sind Eindeichung, Polderung, Küstenverbau, einschließlich der Sodenentnahme zum Deichbau. Zu intensive Beweidung (z.B. Schafe, Rinder) oder Tourismus können ebenfalls ein problem darstellen. Wird ein regelmäßiger Brackwassereinfluss unterbunden, können die Salzwiesen degradieren da die Artenwelt auf das Salzwasser angeiwsen ist. Auch zufließendes Süßwasser aus angrenzenden Äckern (z.B. durch Drainage) in die Priele und Gräben kann zu Aussüßung und Ausbreitung von nährstoffliebenden Pflanzen führen. Ursprüngliche Bestände - welche also ohne Zutun des Menschen entstanden sind - bedürfen keiner Pflege. Extensive Beweidung durch Schafe oder Rinder auf den übrigen Flächen ist möglich und zum Erhalt erforderlich. Intensive Bewirtschaftung und Düngung führen allerdings grundsätzlich zum Verlust des lebensraumtypischen Arteninventars.

Tagfalter in diesem Lebensraum

Fliegen in diesem Lebensraum

Säugetiere in diesem Lebensraum

Heuschrecken in diesem Lebensraum

Wanzen in diesem Lebensraum

Referenzlisten:

Natura2000: Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen

EUNIS 2021/22: European Nature Information System (EUNIS; deutsch Europäisches Naturinformationssystem). EUNIS marine habitat classification (Updated version March 2022), EUNIS terrestrial classification (Updated 2021)

EuroVegChecklist: Bergmeier E. (2020) & Mucina et al. (2016)

Bergmeier E. (2020): Die Vegetation Deutschlands – eine vergleichende Übersicht der Klassen, Ordnungen und Verbände auf Grundlage der EuroVegChecklist. Tuexenia 40: 19–32.

Mucina L., H. Bültmann, K. Dierßen, J.-P. Theurillat, T. Raus, A. C arni, K. Š umberová, W. Willner, J. Dengler, R. Gavilán García, M. Chytrý, M. Hájek, R. Di Pietro, D. Iakushenko, J. Pallas, F.J.A. Daniëls, E. Bergmeier, A. Santos Guerra, N. Ermakov, M. Valachovic , J.H.J. Schaminée, T. Lysenko, Y.P. Didukh, S. Pignatti, J.S. Rodwell, J. Capelo, H.E. Weber, A. Solomeshch, P. Dimopoulos, C. Aguiar, S.M. Hennekens & L. Tichý (2016): Vegetation of Europe: hierarchical floristic classification system of vascular plant, bryophyte, lichen, and algal communities. Applied Vegetation Science, Vol. 19, Supplement 1: 1-264.

Ellenberg, H. & Leuschner, C. (2010): Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen, 6. Aufl., Stuttgart: 1357 S.

Delarze R., Gonseth Y., Eggenberg S., Vust M. (2015): Lebensräume der Schweiz. Ökologie - Gefährdung - Kennarten. 3. Auflage 2015. 456 Seiten.

Finck, P., Heinze, S., Raths, U., Riecken, U., Ssymank, A. (2017): Rote Liste der gefährdeten Biotoptypen Deutschlands – dritte fortgeschriebene Fassung 2017. Naturschutz und Biologische Vielfalt 156, 460 S.

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Referenzlisten

Bezüge zu anderen Listen:
Ellenberg & Leuschner (2010) 2.6.1.2
Finck et al. (2017) 07.02, 07.03, 08.05, 35.03
EUNIS 2021/22 MA22, MA23
EuroVeg-Checklist 12MF03C
Delarze et al. (2015)
Natura 2000 1330
Häufigkeit häufig

Höhenverbreitung


Online: https://www.deutschlands-natur.de/lebensraeume/kuesten-salzvegetation/atlantische-salzwiesen-glauco-puccinellietalia-maritimae/
Datum: 22.04.2024
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